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Die Einbindung behinderter Menschen als Motor für gesellschaftliche Weiterentwicklungen

Rollstuhl


ÖVP-Behindertensprecher sprach in Deutschland vor Merkel und Behindertenvertreterorganisationen


“Was ist Glück?” so lautete der Titel der Rede des ÖVP-Sprechers für Menschen mit Behinderung, Abg. Dr. Franz-Joseph Huainigg, vor 300 Behindertenvertreterorganisationen und der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin. Auf Einladung des Behindertenbeauftragten der deutschen Bundesregierung war Huainigg gestern, Dienstagabend, zum Jahresempfang des Behindertenbeauftragten der deutschen Bundesregierung gekommen.


Für Huainigg selbst, der nach einer Impfung im Kindesalter im Rollstuhl sitzt und beatmet werden muss, bedeutet Glück, “einen Elektrorollstuhl zu fahren, als Halsschmuck den Schlauch der Beatmungsmaschine zu tragen, mit einer Atemkanüle zu atmen, mit meiner neunjährigen Tochter Mensch-ärgere-dich-nicht zu spielen und mit meiner Familie leben zu dürfen.”


Selbst bestimmtes Leben als politisches Programm der Behindertenbewegung


Für 90 Prozent der Bevölkerung sei selbstverständlich, wofür behinderte Menschen tagtäglich kämpfen müssen, etwa der Besuch von Kindergarten und Schule, Fahren mit Bus und Bahn, einer Arbeit nachzugehen, eine Familie zu gründen, zählte Huainigg auf. “Für die europäische Behindertenbewegung ist ein selbst bestimmtes Leben das politische Programm.” Die UN-Konvention für die Rechte behinderter Menschen gebe die Zielsetzung vor: Gleichberechtigte Teilhabe in Kindergarten, Schule und Beruf, persönliche Assistenz zur Umsetzung eines selbstbestimmten Lebens und auch das Recht auf Leben schon vor der Geburt.


Diese Rahmenbedingungen forderten Menschen mit Behinderung zu Recht ein, die Umsetzung könne nur in Zusammenarbeit mit Betroffenen auf gleicher Augenhöhe gelingen. Huainigg:”Das Bild vom bemitleidenswerten behinderten Menschen, dem man vor allem helfen muss, seinem “untragbaren” Leben ein Ende zu setzen, ist komplett zu revidieren. Erlösung sieht anders aus. Nicht der Mensch ist behindert, er wird behindert.”


Im eigenen Körper gefangen, aber glücklich


Eine Studie zeige, dass der Großteil völlig gelähmter Menschen mit ihrer Lebenssituation ebenso zufrieden ist wie gesunde Menschen. Ausschlaggebend sind dafür soziale Kontakte, Beziehungen, Pflege und eine aktive Teilhabe am Leben sowie die Kommunikation, die oft mit Hilfe von Computern durchgeführt wird. In diesem Zusammenhang betonte Huainigg seine “tiefste Überzeugung, dass wir keine Euthanasiegesetze brauchen. Es geht nicht um selbstbestimmtes Sterben, es geht um ein selbstbestimmtes Leben! Für mich sind Euthanasiegesetzgebungen mit dem Wertekanon Europas absolut nicht zu vereinbaren.”


Im deutschen Grundgesetz sei die Menschenwürde verankert, und im deutschen Bundestag gebe es die Möglichkeit von Gewissensentscheidungen zu Ethikfragen. “Das sind Dinge, um die ich Deutschland beneide”, betonte Huainigg in seiner Rede. “Auch im österreichischen Parlament könnten wir uns doch mit ethischen Fragen wie Präimplantationsdiagnostik oder Pränataldiagnostik auseinandersetzen.”


Die Inklusion behinderter Menschen könne Motor für gesellschaftliche Weiterentwicklungen sein, fuhr Huainigg fort und verwies etwa darauf, dass die Inklusion behinderter Kindern die Schule verändert habe. “Eltern behinderter Kindern haben bei ihren Entscheidungen oft den schwierigeren Weg genommen. Sie mussten sich die Integration erkämpfen. Als Politiker müssen wir das zum Maßstab nehmen und Mut zu nachhaltigen Lebensentscheidungen statt stimmträchtigen Konsumentscheidungen aufbringen.”


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