Gefördert vom Bundessozialamt
Huainigg: Invaliditätsrente diskriminiert behinderte und benachteiligte Menschen

Berufsschutz abschaffen und durch Einkommensschutz ersetzen
“Ich lebe seit meiner Kindheit mit einer
Behinderung – das hat mich nicht daran gehindert, ein Studium
abzuschließen oder ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Als ich nach
Abschluss meines Studiums jedoch auf Jobsuche war, hat mir das AMS
nicht etwa Stellenausschreibungen angeboten – sondern die
Invaliditätspension”, berichtet Abg. Dr. Franz-Joseph Huainigg,
ÖVP-Sprecher für Menschen mit Behinderungen.
Huainigg findet die steigenden Ausgaben für Pensionen und vor allem
den Andrang bei Invaliditätspensionen bedenklich: “Mehr als die
Hälfte aller Anträge werden für eine Invaliditätspension gestellt -
ein einsamer Spitzenwert in Europa! Hier gilt es, Perspektiven
aufzuzeigen, etwa für jene junge Menschen, die nach einem Unfall mit
einer Behinderung leben und postwendend in Invaliditätspension
geschickt werden. Man glaubt, ihnen damit etwas Gutes zu tun – raubt
ihnen tatsächlich aber jede Perspektive”, sagt Huainigg und stellt
sich die Frage: “Was soll ein junger Mensch, der mit wenig Geld und
ohne eine Aufgabe zuhause sitzt, mit seinem Leben anfangen? Was hat
er für eine Perspektive?”
Die Invaliditätspension zielt in Österreich überwiegend auf die
falsche Personengruppe ab. “Wenn jemand eine Behinderung oder eine
psychische Erkrankung hat, muss nach individuellen Lösungen gesucht
werden. Ich bin dafür, die Invaliditätsrente größtenteils
abzuschaffen, weil sie behinderte Menschen faktisch daran hindert,
sich zu entwickeln und in ihrem Leben etwas zu schaffen”, so der
ÖVP-Behindertensprecher. “Auch der Berufsschutz stellt eine
Benachteiligung für jene behinderte Menschen dar, die eine schlechte
Ausbildung hatten: Ein Portier wird immer ein Portier bleiben. Man
muss nach individuellen Lösungen suchen und einen Einkommensschutz
sichern!”
“Es gibt zu viele Schlupflöcher, die wir beheben müssen. Und zwar
rasch – denn der Bundesbeitrag zu den Pensionen stieg seit 2010
dramatisch um zwölf Prozent an – auf über neun Milliarden Euro im
kommenden Jahr. Mit einer Pensionserhöhung von 2,7 Prozent wird zwar
die Teuerung genau abgegolten, letztlich betragen die Kosten dafür
aber 1,3 Milliarden Euro – ein beachtlicher Betrag, wenn man die
schwierige wirtschaftliche Situation bedenkt und Politik auch für die
kommenden Generationen machen will. Was ich aber als unerträglich
empfinde ist, dass 800 Millionen Euro jährlich aus dem FLAF an die
Pensionskassa überwiesen werden – gleichzeitig werden aber die
Familienleistungen weder erhöht noch an die Inflation angepasst. Ohne
eine umfassende Pensionsreform im nächsten halben Jahr, und zwar eine
ohne Tabus, werden derartige Sozialleistungen an Pensionisten nicht
weiter leistbar sein”, erklärt Huainigg abschließend.
Quelle/Source: OTS
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