
Manfred Fischer, Journalist und ORF-Greinecker Preis Träger 2011
Einen qualifizierten Arbeitsplatz zu finden ist für behinderte Menschen nach wie vor schwierig. Ein Arbeitsplatz mit gesichertem Einkommen trägt auch für behinderte Menschen wesentlich dazu bei, ein selbstständiges, selbstbewusstes Leben führen zu können. Initiativen wie „Career Moves“, die eine Gelegenheit bieten diesen zu finden, sind daher sehr zu begrüßen.
Viele Betriebe und Unternehmen in Österreich erkennen das Potential behinderter Menschen im Arbeitsleben nicht. Diese werden oft – wenn deren Behinderung bekannt ist – erst gar nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.
Aber warum sollte ein Journalist, dessen Mobilität ein Rollstuhl garantiert, nicht die gleiche Leistung erbringen, wie einer ohne? Im täglichen Leben muss er ständig Durchsetzungskraft und Kreativität beweisen, um durch´s Leben zu kommen.
Nach dem Behinderteneinstellungsgesetz erfüllen in Österreich nur 3.950 von insgesamt 17.186 Unternehmen ihre Beschäftigungspflicht für behinderte Menschen, d.h. 13.236 tun dies nicht!
Der – nunmehr gelockerte – Kündigungsschutz für behinderte Menschen wurde bisher immer als Ausrede dafür genommen, wenn man keine behinderten Menschen beschäftigen wollte. Dies war/ist deshalb eine Ausrede, weil 2010 nur in 19 von 530 Kündigungsfällen diesen nicht zugestimmt wurde. Wenn also ein Unternehmer mit einem behinderten Arbeitnehmer nicht zufrieden war, konnte er ihn auch bisher schon kündigen.
Die Lockerung des Kündigungsschutzes auf Wunsch der Wirtschaft habe bis September 2011 noch keine Änderung bewirkt und zu einer vermehrten Anstellung behinderter Menschen geführt, erklärte das Sozialministerium auf eine diesbezügliche Nachfrage. Aber: Die Hoffnung stirbt zuletzt.



